Aufklärung der Bevölkerung würde diesen Kindern helfen. Ein hochbegabtes Kind könnte z.B. vier Grundschuljahre spielend in zwei Jahren bewältigen, ohne sich besonders anstrengen zu müssen. Im Gegenteil, eine derartige Anforderung würden sie als normal ansehen. Der Rest der Grundschulzeit ist für sie Langeweile, in den Augen hochbegabter Kinder - vertrödelte Zeit.
Die verkürzte Schulzeit an einigen Gymnasien in der Bundesrepublik wäre eine Möglichkeit, hochbegabte Schüler zusammenzufassen. Jedoch ohne Werte eines Intelligenztests sind diese Klassen so heterogen in den Lerngruppen, wie jede andere Klasse auch. In reinen Klassen nach Intelligenz könnten die oberen 10 % der Schüler heute in 10 Jahren zum Abitur geführt werden, ohne dass auch nur eine einzige Stunde mehr Unterricht erfolgen müsste. Nur die Methode muss in diesen Klassen verändert werden. Welch finanzielle Vergeudung von geistigen und finanziellen Ressourcen in unserem Land bei Nichthandlung!
Das Überspringen von Klassen muss den nachweislich hochintelligenten Kindern erleichtert werden, bis geeignete Klassen flächendeckend eingerichtet worden sind. Das Überspringen von Klassen ist keine Hochbegabtenförderung, sondern nur ein Verkürzen der Langeweile. Aber besser als nichts.
Für Schulen müssen Programme entwickelt werden, damit hochbegabte Kinder aus den demotivierenden Reproduktionen des gelernten Stoffes befreit werden und ihre Denkfähigkeit Anreize zur Entfaltung erhält, da es nicht möglich sein wird, schnell flächendeckend die erforderlichen Klassen einzurichten. Dazu fehlt das ausgebildete Lehrpersonal, nicht das Geld.
Es gibt einige private Internate für hochbegabte Kinder im In- und Ausland, die jedoch teilweise für Eltern unbezahlbar sind und die außerdem zum größten Teil nur ungern Leistungsverweigerer aufnehmen. Gerade diese Jugendlichen bedürfen jedoch der Hilfe. Sie sind hochintelligent zur Welt gekommen und ein für sie falsches Bildungsangebot führte sie in die Demotivation. Auch wir stellen fest, dass Hochbegabte aus sozial benachteiligten Familien fast keine Chancen erhalten, ihr Potenzial zu entfalten. Leistungsbereite Schüler und Schülerinnen kommen auch evtl. vor Ort an ihren Schulen noch zu guten Ergebnissen, dem/der hochbegabten Haupt- und Realschüler/In und dem/der klassenwiederholenden Gymnasialschüler/In fehlt in Deutschland das Angebot, insbesondere wenn sie nicht aus Akademikerfamilien stammen.
Die geistige Unterforderung morgens in den Schulen kann nachmittags im Elternhaus zu erheblichen Spannungen führen. Der Frust des Vormittags lässt sich schwerlich durch Spielen und Freizeit nachmittags abbauen. Der Familienfriede ist extrem gefährdet. Die täglichen Schularbeiten, so sie eine Wiederholung des Vormittags sind, führen im Elternhaus zu kuriosen Erscheinungsbildern: Da sitzen hochintelligente Kinder stundenlang demotiviert bei den einfachsten Aufgaben und bringen nichts Gescheites auf das Papier. An diesen Nachmittagen zweifeln selbst Eltern die Testergebnisse ihrer Kinder an. Aber welches hochbegabte Kind wird mit Fleiß, Motivation und Ausdauer nochmals die Erbsen zählen? Oder, welches hochbegabte Kind lässt sich noch ohne Murren nachmittags geistig unterfordern, im schlimmsten Fall sogar geistig vergewaltigen? Gehen unsere Erwartungen nicht an den Bedürfnissen der Kinder vorbei?
Kurse am Nachmittag oder Wochenende, die den Kindern eine geistige Auslastung mit Gleichbefähigten vor Ort garantieren, sind eine Möglichkeit, den Kindern zu helfen. In diesen Kursen brauchen sie nicht mehr zu warten und erkennen, dass es auch andere Kinder mit ähnlichen Denkansätzen gibt. Freundschaften können sich aufbauen, Teamgeist, eine wichtige Notwendigkeit, erprobt werden. Die Isolation, in der sich viele hochbegabte Kinder befinden, kann aufgehoben werden. Soziales Lernen ist nur in einer Gruppe möglich, nicht als Außenseiter. In diesen Kursen muss außerschulischer Stoff angeboten werden, damit die Langeweile morgens in den Schulen nicht noch größer wird.
Eltern mit hochbegabten Kindern kann nur empfohlen werden, jede Motivation des Kindes zu unterstützen. Da sie so vielseitig, schnell und ausdauernd bei interessanten Angeboten sind, haben sie auch viele Möglichkeiten, die einer Förderung bedürfen. Den schulischen Erfolg führen Eltern auch darauf zurück, dass Schule nur noch ein kleiner Teil im Leben ihres Kindes war, ein notwendiges Übel, andere Aktivitäten des Kindes waren wesentlich wichtiger.
Unsere Kinder fallen aus der Norm, wie die Kinder auf der anderen Seite. Auch dort müssen Eltern viel mehr Zeit, Engagement und auch Geld aufbringen, ihre Kinder fördern zu lassen. Bei hochbegabten Kindern ist dieses Engagement der Eltern begrenzt auf die Kindheit. Irgendwann können die Kinder viele Aktivitäten allein aufsuchen und wenn sie ohne große Schäden in das Erwachsenenalter eintreten, werden sie ihre Zukunft auch meistern können.
Text: Copyright: © Jutta Billhardt
