Hochbegabtenförderung e.V.

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Einführung

Schön, dass Sie sich für dieses Thema interessieren. Hochbegabte Menschen gibt es in allen Kulturen, zu allen Zeiten und in allen Bevölkerungsschichten. Hochbegabung ist keine Modeerscheinung und auch keine Einbildung von angeblich ehrgeizigen Eltern. Die Erwartung vieler Eltern und Lehrkräfte, dass aus bildungsnahen und betuchten Familien automatisch hochbegabte Kinder zu erwarten sind, ist ein nachgewiesener Irrtum. Hochbegabte Kinder jedoch aus Arbeiterfamilien, mit Migrationhintergrund, von Alleinerziehenden oder aus Familien mit vielen Kindern, werden häufig übersehen.

Das legitime Ziel der 68er Generation, dass alle Kinder die gleichen Bildungschancen nach ihren Fähigkeiten erhalten sollen, ist in Deutschland gründlich verfehlt worden, da der Zusatz "nach ihren Fähigkeiten" im Laufe der Zeit keine Rolle mehr spielte. Die damals ergriffenen Maßnahmen, alle Kinder im gleichen Alter mit gleichen Anforderungen zu fordern und zu fördern, hat die Schwachen überfordert und die Hochbegabten ausgebremst. Der Beweis ist PISA - auch wenn viele es nicht hören wollen.

Unser Land braucht eine optimale Förderung hochbegabter Kinder, da kein Land auf die innovativen, hochintelligenten Erwachsenen verzichten kann, wenn es in einer globalisierten Welt bestehen will. Wir benötigen die Menschen, die mit unüblichen Lösungsvorschlägen zu alten und neuen Problemen der Gesellschaft Stellung beziehen, aber vor allem den Mut haben, in dieser angepassten Gesellschaft neue Ideen einzubringen.

Wir können es uns nicht leisten, Kinder an unseren Schulen und in den Elternhäusern verkümmern zu lassen in der Hoffnung, dass sie später als Erwachsene die Unterforderung vergessen und trotzdem zum Wohle der Gesellschaft zu Höchstleistungen noch fähig sind. Die, die einigermaßen unser Bildungssystem durchlaufen, auch wenn sie permanent unterfordert werden, flüchten oft als Studenten und Erwachsene ins Ausland. Die öffentlich genannte jährliche Zahl von 100.000 schreckt uns zwar - aber wo bleiben die Konsequenzen? Wer ist in der Lage, den bereits verschulten Universitäten wieder die Anforderung von freidenkender Forschung zu ermöglichen?

Immer wieder haben einige Wissenschaftler in der Vergangenheit und auch heute noch betont: Die Mehrheit der hochbegabten Kinder durchläuft ohne Auffälligkeiten unser Bildungssystem. Keiner von ihnen hat bemerkt, dass hochintelligente Schulkinder weit unter ihren geistigen Möglichkeiten arbeiten und so nie erfahren durften, zu was sie fähig gewesen wären. Wir liegen mit unseren Anforderung im unteren Drittel weltweit! Hätten unsere Wissenschaftler nicht Alarm schlagen müssen? Ist es ihnen entgangen, dass die Anforderungen ständig im Niveau nach unten korrigiert wurden? Eltern von hochintelligenten Kindern bemerkten es sehr wohl, wurden jedoch von den "wissenschaftlichen Erkenntnissen" zu der Ansicht gebracht, dass es an ihrer Erziehung liegt, wenn ihr Kind keinen schulischen Erfolg hat. Es war nicht das einzelne Kind, das unterging, es waren und sind jährlich Tausende!

Aber das größte Versäumnis, das durch Unterforderung entsteht, ist nicht gleich sichtbar: Eine nicht geforderte und nicht erlernte Anstrengungsbereitschaft. Die maßlose Faulheit durch Unterforderung ist für viele im späteren Leben nicht mehr zu berichtigen.

Ein herber Verlust für den Einzelnen -  aber auch für die Gesellschaft.

Text: Copyright: © Jutta Billhardt