Wir raten allen Eltern, die auch nur den Verdacht haben, ein Kind zu haben, das anderen Kindern auf der intellektuellen Ebene weit voraus ist, eine Diagnose durch einen Intelligenztest stellen zu lassen. Eine Hochbegabung aufgrund einer bestimmten Leistung zu vermuten, ist nicht zulässig. Zur Diagnose hochbegabt gehört unverzichtbar ein Intelligenztest. Inzwischen wird der Intelligenztest in Deutschland nicht mehr angezweifelt.
Nur Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Kindern sind nicht verlässlich. Bewegen sich die Eltern in einem weniger intelligenten Umfeld, glauben sie, ihr normal begabtes Kind wäre hochbegabt. Ist das Umfeld jedoch sehr intelligent, fallen die hochbegabten Kinder nicht auf. Auch für Lehrkräfte ist ein Vergleich mit anderen Kindern oft nicht möglich, da sie selten wissen, mit welchen Intelligenzwerten sie die Kinder vergleichen können. Sie können nur die erbrachte Leistung vergleichen.
Mit einem Intelligenztest kann Hochbegabung erkannt werden. Die vielen Untertests, die das abstrakt logische Denkvermögen auf den unterschiedlichsten Kulturtechniken (z.B. Sprache, Mathematik) messen, geben die entscheidenden Hinweise.
Hohe Ergebnisse im abstrakt logischen Denkvermögen der Untertests können nicht durch Zufall erreicht werden; niedrige Ergebnisse schließen jedoch eine mögliche Hochbegabung noch nicht aus. Das kann folgende Gründe haben:
- Viele hochbegabte Kinder haben in den Handlungsteilen des HAWIK III geringere Werte, die auf ein Defizit in der Feinmotorik zurück zu führen sind. Zu Kleinkindzeiten waren es Geistes- und keine Handarbeiter. Ein körperliches Defizit kann jedoch nicht gegen eine geistige Kapazität gemittelt werden, insbesondere dann nicht, wenn dieses Defizit in engem Zusammenhang mit einer hohen geistigen Kapazität steht. Der neue HAWIK IV hat keinen Handlungsteil mehr.
- Die Untertests von Wissensabfragen sagen jedoch nur aus, ob ein Kind altersgerecht Wissen aufgenommen hat. Diese Untertests spielen bei der Berechnung der IQ-Werte keine entscheidende Rolle, da sie bildungsabhängig sind.
- Das Kind war zum Zeitpunkt der Testung indisponiert. Gute Fachleute brechen dann einen Test ab und empfehlen einen späteren Zeitpunkt. Für die Mehrheit der hochbegabten Kinder ist ein Intelligenztest jedoch so spannend, dass sie sich über kleinere körperliche Einbrüche hinwegsetzen und hervorragende Ergebnisse erzielen.
- Die Testperson oder der Ort wird vom Kind abgelehnt.
- Eltern haben mit ihren Kindern die vielen Denksportaufgaben aus Zeitschriften geübt und nicht bedacht, dass die Originalfragen der IQ-Tests bei den Fachleuten unter Verschluss liegen. Es sind also nur so ähnliche Aufgaben und das Kind löst die Aufgaben im Originaltest nach seinem Erinnerungsvermögen. Hier entstehen sehr häufig Ergebnisse, die zum Entsetzen der Eltern auf ein schwachbegabtes Kind schließen lassen.
- Eltern haben ihrem Kind von einem Test erzählt, den sie unbedingt bestehen sollten und deshalb sehr aufmerksam sein sollten. Die Kinder bekommen Angst und blockieren dadurch die Denkprozesse. Auch hier sollte ein Test abgebrochen werden. Eltern sollten ihrem Kind nichts von einem Test sagen, sondern nur, wir wollen einmal sehen, wie dein Kopf arbeitet und denkt. Ein Intelligenztest ist immer ohne Wertung zu sehen.
Die Intelligenztests sind standardisiert und wissenschaftlich anerkannt. Nach der Intelligenzverteilung in der Bevölkerung nach Gauß gehen Wissenschaftler von ca. 2 % aus, die hochbegabt sind. Rein statistisch sind das in der Bundesrepublik ca. 250.00 hochbegabte (IQ>130) und ca. 1,2 Millionen überdurchschnittlich intelligente Schulkinder (IQ>120), je nach Schülerzahlen, die von Jahr zu Jahr unterschiedlich sind. Hochbegabte Kinder sind also kein Einzelfall, sondern genau so häufig vertreten wie schwachbegabte Kinder.
Der Intelligenztest ist ein wertfreier Test, der lediglich aussagt, welches geistige Potenzial der Mensch besitzt. Allerdings ist dieses Wissen immens wichtig, damit die Bedürfnisse von hochintelligenten Kindern erkannt werden können und eine geeignete Forderung und Förderung einsetzen kann.
Nur einen Intelligenztest zu machen und ihn abzuheften, wäre natürlich bei hohen Werten völlig sinnlos für das Kind, wenn daraus keine schulische Veränderung erfolgt und auch im privaten Bereich keinerlei Förderangebote dem Kind gemacht werden.
Text: Copyright: © Jutta Billhardt

